Nemetschek

NEM.DE |ISIN DE0006452907 |WKN lädt...
Marktkapitalisierung
8,5 Mrd. €
Land
Deutschland
KGV
34,6x
Umsatz FY
1,2 Mrd. €
Gewinn FY
217 Mio. €
Umsatzwachstum FY
+19,7 %
Sektor
Themen
Cloud Digitale Zwillinge Digitalisierung
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Übersicht

Investmentprofil, Bewertung, Kursentwicklung und zentrale Kennzahlen der ausgewählten Aktie. Stand der Analyse: 04.11.2026, Finanzzahlen bis GJ 2025 (31.12.2025). So arbeiten wir

KI-generiert

Unternehmensbeschreibung

Nemetschek verdient Geld, indem es Software für Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden sowie für Grafik und Animation unter Marken wie Allplan, Graphisoft, Bluebeam und Maxon entwickelt und überwiegend im Abo an Architekten, Ingenieure, Bauunternehmen und Kreative verkauft.

Umsatz TTM —
Nettogewinn TTM —
Free Cashflow TTM —
Umsatzwachstum 1J—
KGV —
Forward-KGV —
KUV—
FCF-Yield—
Operative Marge—
ROIC / ROE —
Net Debt / EBITDA—
Marktkapitalisierung—
KurzbewertungEinordnung
Stärken & Risiken
Stärken
Risiken
Wachstum

Umsatz und Gewinn im Jahresvergleich – fürs Unternehmen und je Aktie.

Profitabilität

Margenqualität im operativen Geschäft.

1,2 Mrd. €0,9 Mrd. €0,6 Mrd. €0,3 Mrd. €0,0 Mrd. €
Umsatz
Umsatzkosten
Bruttogewinn
Oper. Kosten
Oper. Gewinn
Zinsen & Steuern
Nettogewinn

Der Margen-Wasserfall zeigt, wo zwischen Umsatz, Brutto-, operativem und Nettogewinn Wert verloren geht. Die Nettomarge liegt bei 18,2% (2025).

AusgangsbasisKostenabzugGewinnstufe
Cash & Kapitalbedarf

Freier Cashflow, Investitionsbedarf und Cashflow-Umwandlung.

Bilanz

Liquidität, Cashbestand und finanzielle Belastung.

Nemetschek: Unternehmen

Geschichte

Nemetschek begann 1963 in München als Ingenieurbüro des Bauingenieurs Georg Nemetschek. Nach frühen Computeranwendungen im Bauwesen folgte 1980 die erste eigene CAE-Software, 1984 kam Allplan 1.0 als CAD-Lösung auf den Markt. 1997 stellte das Unternehmen mit O.P.E.N. einen Vorläufer des heutigen BIM-Ansatzes vor, 1999 folgte der Börsengang. Danach wurde das Portfolio durch Übernahmen verbreitert: Vectorworks kam 2000 hinzu, Graphisoft und SCIA 2006, Bluebeam 2014, Spacewell 2018 und GoCanvas 2024. 2016 wurde die AG in eine europäische SE umgewandelt.

Heute ist Nemetschek eine strategische Holding mit vier Segmenten: Design, Build, Manage und Media. 2025 erzielte der Konzern 1,191 Milliarden EUR Umsatz. Design steuerte rund 45 Prozent bei und bündelt unter anderem Allplan, Graphisoft, Solibri und Vectorworks für Architektur, Engineering und BIM. Build kam auf rund 40 Prozent und adressiert mit Bluebeam, GoCanvas und Nevaris Bauausführung, Dokumenten-Workflows und Baustellendaten. Manage deckt mit Spacewell und CREM Gebäudebetrieb sowie Workplace- und Energiemanagement ab; Media liefert über Maxon Werkzeuge für 3D-Modellierung, Rendering und Animation. Das Erlösmodell verschiebt sich stark zu Subscription und SaaS: deren Anteil erreichte 2025 72,1 Prozent, während wiederkehrende Erlöse insgesamt 92,2 Prozent ausmachten.

Die Kunden reichen von Architekten, Tragwerks- und Fachplanern über Generalunternehmer und Entwickler bis zu Facility-Managern, Immobiliengesellschaften und professionellen Kreativen. Nemetschek verkauft global über seine Marken, Partnerkanäle und zunehmend gruppenweite strategische Accounts. 2025 entfielen rund 42 Prozent des Umsatzes auf die Americas, etwa 48 Prozent auf EMEA einschließlich Deutschland und rund 10 Prozent auf Asia/Pacific. Mit lokalen Vertriebs- und Entwicklungsstrukturen in Indien sowie dem Markteintritt in Saudi-Arabien will der Konzern schneller in Regionen mit hoher Bauaktivität und niedriger Softwaredurchdringung wachsen.

Die Marktposition beruht weniger auf einer einzelnen Suite als auf einem Portfolio spezialisierter Produkte und dem OPEN-BIM-Ansatz. Im Design konkurrieren Allplan, Graphisoft und Vectorworks unter anderem mit Autodesk und Bentley Systems; in der Bauausführung trifft Bluebeam auf Plattformen wie Autodesk Construction Cloud und Procore. Nemetschek versucht sich durch tiefe Branchenkenntnis, offene Schnittstellen und die Verbindung von Planung, Baustelle und Betrieb abzugrenzen. Gleichzeitig erhöht die breite Markenstruktur die Integrationsaufgabe: Datenmodelle, Cloud-Infrastruktur und Vertrieb müssen stärker zusammenarbeiten, ohne die Spezialisierung der Produkte zu verlieren.

Strategisch entwickelt sich Nemetschek vom vertikalen Softwareanbieter zum vertikalen KI-Anbieter. Der AI & Data Innovation Hub soll gemeinsame Standards und wiederverwendbare KI-Bausteine schaffen; seit 2025 wird ein AI Assistant schrittweise über Marken ausgerollt, 2026 folgte Bluebeam Max als agentische KI-Lösung. Parallel läuft die Subscription-Umstellung im Design-Segment weiter, während die im Juli 2026 abgeschlossene HCSS-Übernahme das Build-Geschäft in Infrastruktur und Tiefbau erweitert. Die zentrale offene Frage ist, ob Nemetschek diese größeren Plattform-, KI- und Akquisitionsinitiativen über viele Marken hinweg integrieren kann, ohne Produktfokus, Kundennähe und hohe Profitabilität zu verwässern.

Geschäftsmodell

  • Software für Bau und Medien: Nemetschek entwickelt Software für Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden sowie für professionelle 3D-Inhalte. Marken wie Allplan, Graphisoft, Bluebeam, Spacewell und Maxon decken Gebäudemodelle, Zusammenarbeit, Gebäudemanagement und Visualisierung ab.
  • Wiederkehrende Softwareerlöse: Nemetschek stellt klassische Dauerlizenzen auf Abos und Cloudsoftware um. 2025 stammten 92,2 Prozent des Umsatzes aus wiederkehrenden Erlösen, Mietmodelle allein erreichten 72,1 Prozent.
  • Planer, Bauer und Betreiber: Kunden sind Architekten, Ingenieure, Fachplaner, Bauunternehmen, Projektentwickler, Gebäudebetreiber und Immobilienverwalter. Hinzu kommen Kreative aus Film, Fernsehen und Spielen, die 3D-Modelle, Renderings und Animationen erstellen.
  • Tief in Arbeitsabläufen: Offene Gebäudedatenmodelle, jahrzehntelanges Fachwissen und spezialisierte Marken verankern Nemetschek tief in den Arbeitsabläufen der Kunden. Gemeinsame Daten-, Cloud- und KI-Initiativen verbinden die Produkte und erleichtern Querverkäufe zwischen den Marken.

Geografische Präsenz

  • Nordamerika: Die berichtete Region Americas, die Nord-, Mittel- und Südamerika umfasst, stellte 2025 rund 42 Prozent des Konzernumsatzes nach 41 Prozent. Treiber waren besonders Build und der volle GoCanvas-Jahresbeitrag. Nemetschek produziert Software statt physischer Güter. USA und Kanada vereinten 2025 rund 73,6 Prozent der berichteten nicht kurzfristigen Vermögenswerte, nach 75,4 Prozent im Vorjahr.
  • Europa: EMEA einschließlich Deutschland stellte 2025 rund 48 Prozent des Konzernumsatzes nach 49 Prozent. EMEA ohne Deutschland wuchs deutlich, während die schwache deutsche Baukonjunktur das Neugeschäft belastete. Physische Produktion besteht nicht. Deutschland repräsentierte 2025 rund 5,4 Prozent der berichteten nicht kurzfristigen Vermögenswerte; weitere europäische Standorte sind in der Sammelposition Rest der Welt enthalten.
  • Asien: Asia/Pacific trug 2025 rund 10 Prozent zum Konzernumsatz bei und wuchs um 16,2 Prozent. Design dominiert dort; Indien, Japan, Singapur, Hongkong und Australien gelten als Expansionsmärkte. Eine separate asiatische Produktionsquote veröffentlicht Nemetschek nicht. Softwareentwicklung wird global betrieben; zusätzliche Sales-, R&D- und G&A-Kapazitäten entstanden in Mumbai, Bangalore und Hyderabad.

Marktposition & Wettbewerber

  • BIM und Planung: Führender OPEN-BIM. Vorteil: OPEN BIM plus spezialisierte Marken über den Baulebenszyklus. Wettbewerber: Autodesk, Bentley Systems, Trimble
  • Bau-Kollaboration: Starke Speziallösung. Vorteil: Bluebeam-Reichweite und tiefe PDF- und Baustellen-Workflows. Wettbewerber: Autodesk, Procore, Oracle
  • IWMS und Betrieb: Etablierter Spezialist. Vorteil: BIM-, Workplace- und Energieintegration im eigenen Portfolio. Wettbewerber: Planon, IBM, Eptura
  • 3D und Motion Design: Führend im Motion Design. Vorteil: Cinema 4D, Redshift und MoGraph als integrierter Workflow. Wettbewerber: Autodesk, Adobe, SideFX

Management

  • Yves Padrines (CEO und Vorstandsvorsitzender): Yves Padrines führt Nemetschek seit März 2022 als CEO. Zuvor leitete er Synamedia und war bei Cisco für Service Provider in EMEA verantwortlich; weitere Stationen waren NDS, PwC und Vivendi. Er treibt Internationalisierung, Subscription-Transformation, KI-Strategie sowie organisches und akquisitionsgetriebenes Wachstum voran.
  • Louise Öfverström (CFO und Vorstandsmitglied): Louise Öfverström ist seit Januar 2023 CFO. Sie bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in Finanzen, Controlling, Risiko und Transformation mit, unter anderem von Rolls-Royce Power Systems, thyssenkrupp, Clariant, Linde und MAN. Sie verantwortet Finanzprozesse, Synergien sowie unter anderem IT und Recht.
  • Usman Shuja (CDO Build & Construct, CEO Bluebeam): Usman Shuja gehört seit Januar 2025 dem Vorstand an und führt weiterhin Build & Construct sowie Bluebeam; zur Gruppe kam er im September 2023. Zuvor leitete er Connected Buildings bei Honeywell und arbeitete bei BCG, IBM und Dell. Sein Fokus liegt auf Wachstum, Subscription, KI und Bau-Workflows.
  • Sunil Pandita (CDO Planning & Design und Digital Twin): Sunil Pandita führt seit April 2025 Planning & Design und zusätzlich die Digital-Twin-Einheit. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in digitaler Transformation und Softwarewachstum, mit Stationen bei Dell, McKinsey, HP, Thomson Reuters und Honeywell. Er verantwortet Produktinnovation rund um Cloud, KI und vernetzte Planung.
  • Marc Nezet (CDO Operate & Manage, Chief Strategy Officer): Marc Nezet ist seit September 2023 für Operate & Manage verantwortlich und zugleich Chief Strategy Officer für M&A, Venture Investments und strategische Partnerschaften. Nach 23 Jahren bei Schneider Electric, darunter Software-Transformation und Akquisitionen, arbeitete er zuletzt bei AVEVA. Er verbindet Portfoliostrategie, Gebäudebetrieb und anorganisches Wachstum.
  • Susanne Kindler (Chief People and Transformation Officer): Susanne Kindler wurde im Juli 2025 Chief People and Transformation Officer, nachdem sie seit Juni 2023 als Group Transformation Officer gearbeitet hatte. Zuvor war sie Partnerin und Vorstandsmitglied bei goetzpartners, heute Fortlane, sowie in Führungsrollen bei Cisco und Sixt. Sie verantwortet People Organization und Transformation Office.
  • David McGavran (CEO Maxon): David McGavran führt Maxon seit Juli 2018. Zuvor arbeitete er 20 Jahre bei Adobe und leitete dort zuletzt Engineering für professionelle Audio- und Videoprodukte mit mehr als 130 Entwicklern und Qualitätsspezialisten. Bei Nemetschek verantwortet er das Media-Geschäft mit professioneller 3D-Modellierung, Rendering, Animation und kreativen Workflows.

Wachstumstreiber

  • Subscription und SaaS: Die Umstellung von Dauerlizenzen auf Mietmodelle verschiebt Umsatz in planbarere, wiederkehrende Verträge und erhöht den Kundenlebenszeitwert. Besonders Design migriert noch, während Build, Manage und Media weitgehend umgestellt sind; mehrjährige Verträge beschleunigen den Übergang.
  • Agentische KI: Nemetschek baut KI direkt in branchenspezifische Arbeitsabläufe ein, statt allgemeine Assistenten isoliert anzubieten. Automatisierte Prüfungen, Dokumentanalyse, Mengenermittlung und intelligente Suche sollen Zeit sparen, Fehler früher erkennen und höherwertige Premium-Abonnements ermöglichen.
  • Bau digitalisiert sich: Niedrige Softwaredurchdringung, Fachkräftemangel und komplexere Projekte erhöhen den Druck auf Planer und Bauunternehmen, manuelle Prozesse zu automatisieren. Nemetschek adressiert das mit BIM, Kollaboration, mobilen Baustellendaten und Qualitätsprüfung über Design und Build hinweg.
  • Internationale Expansion: Lokale Vertriebs- und Entwicklungsteams sollen Nemetschek in Regionen mit hoher Bautätigkeit und geringer digitaler Durchdringung näher an Kunden bringen. Schwerpunktmärkte sind Indien, Nahost und Teile Asien-Pazifiks, ergänzt durch die starke nordamerikanische Basis.
  • Cross-Selling: Ein gruppenweites Go-to-Market bündelt Marken für größere, multidisziplinäre und internationale Kunden. Strategische Accounts und Multi-Brand-Angebote sollen den Umsatz je Kunde erhöhen, zusätzliche Workflows verbinden und die bislang relativ eigenständigen Marken stärker als gemeinsames Portfolio verkaufen.
  • HCSS im Tiefbau: HCSS erweitert Build von Hochbau- und Dokumentenworkflows stärker in Infrastruktur und schweren Tiefbau. Nemetschek will die Software internationalisieren, über Bluebeam und GoCanvas querverkaufen und proprietäre Projektdaten mit eigenen KI-Fähigkeiten für verbundene Büro-Baustellen-Prozesse nutzen.

Zukunftspläne

  • HCSS integrieren und skalieren: Nach dem Closing im Juli 2026 soll HCSS in Build & Construct integriert und über Nordamerika hinaus internationalisiert werden. Nemetschek will Vertriebskanäle und Cross-Selling mit Bluebeam und GoCanvas nutzen, Büro- und Baustellenprozesse enger verbinden und HCSS-Daten mit eigenen KI-Fähigkeiten kombinieren.
  • Bluebeam Max verbreitern: Bluebeam Max soll als Premium-Abonnement agentische KI in Bau-Workflows skalieren. Automatisierte Qualitätsprüfungen, Dokumentanalyse, Mengenermittlung, intelligente Suche und Markups sollen manuelle Arbeit reduzieren, Risiken früher sichtbar machen und zusätzliche Premium-Umsätze in bestehenden Bluebeam-Kundenbeziehungen im täglichen Projektgeschäft ermöglichen.
  • Design auf Subscription drehen: Im Design-Segment wird die Umstellung von klassischen Lizenzen und Serviceverträgen auf Subscription und SaaS fortgesetzt. Mehrjährige Verträge sollen die Migration beschleunigen; langfristig erwartet Nemetschek höheren Kundenlebenszeitwert, bessere Umsatzvisibilität und schnellere Bereitstellung neuer Cloud- und KI-Funktionen.
  • AI Assistant ausrollen: Der gruppenweite AI Assistant soll schrittweise in weitere Marken und produktspezifische Workflows integriert werden. Gemeinsame Standards des AI & Data Innovation Hub sollen wiederverwendbare Funktionen ermöglichen, während jede Marke domänenspezifische Assistenzen für Planung, Prüfung, Bauausführung und Gebäudebetrieb entwickelt.
  • Indien und Nahost ausbauen: Nemetschek baut lokale Vertriebs-, Entwicklungs- und Supportstrukturen in wachstumsstarken Regionen aus. Indien wird über Mumbai, Bangalore und Hyderabad adressiert; Saudi-Arabien dient als Ausgangspunkt für den Nahen Osten. Ziel sind höhere Marktnähe, gemeinsame Markenangebote und schnellere Erschließung großer Infrastrukturprogramme.
  • Multi-Brand-Vertrieb stärken: Der Go-to-Market Hub soll größere internationale Kunden stärker gruppenweit statt nur markenweise bedienen. Strategische Accounts, Co-Selling und Cross-Selling sollen Lösungen aus Design, Build und Betrieb kombinieren, den ARR je Kunde erhöhen und die kommerzielle Reichweite bestehender Produkte ohne separate Neukundenakquisition verbreitern.

Abhängigkeiten

Hohe Wiederkehr bindet Kunden; kritisch bleiben Talent, Cloud-Sicherheit, Bauzyklus und Integration größerer Zukäufe.

  • Baukonjunktur: Der größte Teil des Portfolios hängt direkt oder indirekt an Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden und Infrastruktur. Hohe Zinsen, Kosteninflation und schwache europäische Bauaktivität können Projektstarts verschieben und Budgets für neue Softwarelizenzen oder zusätzliche Seats begrenzen. Nemetschek berichtete 2025 besonders in Deutschland über Belastungen des Neugeschäfts durch die Baukonjunktur. Wiederkehrende Verträge stabilisieren bestehende Erlöse, schützen aber nicht vollständig vor weniger Neukunden, geringerer Expansion bei Bestandskunden oder längeren Entscheidungszyklen in schwächeren Märkten.
  • Subscription-Migration: Nemetschek verlagert das Geschäftsmodell aktiv von Dauerlizenzen und Serviceverträgen zu Subscription und SaaS. Das schafft planbarere Erlöse und höheren Kundenlebenszeitwert, erzeugt aber im Design-Segment kurzfristige rechnungslegungsbedingte Dämpfung und verlangt, dass Bestandskunden die neuen Modelle akzeptieren. Mehrjährige Verträge halfen zuletzt, die Migration zu beschleunigen. Eine schwächere Conversion oder erhöhte Preissensibilität könnte ARR-Aufbau und Cross-Selling bremsen. Umgekehrt verbessert eine erfolgreiche Migration Verlängerungsraten, Produktauslieferung und die wirtschaftliche Basis für Cloud- und KI-Premiumfunktionen langfristig.
  • Medienbudgets: Das Media-Segment hängt von professionellen Content-Budgets in Film, Fernsehen, Werbung, Games und Design ab. Nemetschek beschrieb 2025 besonders in den USA ein anspruchsvolles Umfeld mit begrenzten Content-Budgets, Konsolidierung großer Studios und Streaming-Plattformen sowie zeitweise längeren Investitionsentscheidungen. Dadurch kann Maxon trotz strukturell wachsender Nachfrage nach hochwertigem 3D-Content kurzfristig schwächer wachsen. Zusätzlich entsteht neuer Wettbewerbsdruck durch generative KI, die einfache Content-Erstellung verbilligt und damit einzelne traditionelle Workflows oder Preispunkte unter Druck setzen kann.
  • Americas-Nachfrage: Die Americas sind inzwischen Nemetscheks größte einzelne Umsatzregion und besonders wichtig für Build, Bluebeam und GoCanvas. 2025 stieg ihr Konzernumsatzanteil auf rund 42 Prozent, während GoCanvas den Schwerpunkt zusätzlich auf Nordamerika verstärkte. Diese Stärke schafft Skalenvorteile und Zugang zu einem großen digitalen Baumarkt, erhöht aber die Sensitivität gegenüber US-Bauaktivität, Unternehmensinvestitionen und Wechselkursen. Die HCSS-Übernahme vertieft die Exposition gegenüber nordamerikanischem Infrastruktur- und Tiefbaugeschäft zunächst weiter, bevor geplante internationale Expansion die regionale Konzentration reduziert.
  • Software-Fachkräfte: Nemetschek ist kein industrieller Hersteller; die zentrale operative Ressource sind qualifizierte Software-, Produkt-, Vertriebs- und KI-Fachkräfte. Der Geschäftsbericht stuft Human Resources mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit und mittlerem potenziellem Schaden ein. Besonders Entwicklung, Marketing und Sales stehen im Wettbewerb mit großen Softwarekonzernen. Fehlen Spezialisten, verschieben sich Releases, lokale Expansion oder die Integration neuer KI-Funktionen, während Personalkosten steigen können. Das Risiko wächst zusätzlich, weil Nemetschek parallel Subscription, Cloud, Internationalisierung und mehrere Akquisitionen organisatorisch bewältigen muss.
  • Cloud und Dritttechnik: Mehrere Nemetschek-Produkte integrieren Technologien von Drittanbietern; zugleich wächst mit SaaS, Cloud-Plattformen und digitalem Commerce die Abhängigkeit von externer Infrastruktur und Zahlungsdiensten. Der Risikobericht nennt ausdrücklich mögliche Qualitäts- oder Verfügbarkeitsprobleme solcher Technologien und verweist bei Zahlungsanbietern auf überwachte Verträge und Redundanz. Ein größerer Ausfall kann Zugänge, Transaktionen oder cloudbasierte Kollaboration beeinträchtigen und damit Umsatzrealisierung sowie Kundenzufriedenheit treffen. Die Abhängigkeit nimmt strukturell zu, weil Subscription, vernetzte Daten und KI mehr kontinuierlich verfügbare Infrastruktur benötigen.
  • Cyber- und Datenrisiko: Mit mehr SaaS-Umsatz, cloudbasierten Workflows und KI verarbeitet Nemetschek zunehmend geschäftskritische Kunden- und Projektdaten. Sicherheitslücken in Produkten oder internen Systemen können laut Risikobericht Betriebsunterbrechungen, Bußgelder, Schadenersatz, Vertrauensverlust und Kundenabwanderung auslösen. Das Risiko ist besonders relevant, weil Lösungen tief in Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse eingebettet sind. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen an Softwareanbieter. Ein Sicherheitsvorfall wäre daher nicht nur ein IT-Problem, sondern könnte Vertrieb, Verlängerungsraten und die Akzeptanz gruppenweiter Cloud- und KI-Angebote beeinträchtigen.
  • Akquisitionsintegration: Nemetschek nutzt Übernahmen gezielt für neue Technologien, Regionen und Kundengruppen. Mit GoCanvas, Firmus AI und besonders HCSS ist die Integrationsaufgabe größer geworden; der Risikobericht erhöhte die Einschätzung für Akquisitionen, Venture Investments und Integration gegenüber dem Vorjahr. Die operative Abhängigkeit liegt weniger in physischer Versorgung als in der Fähigkeit, Produkte, Teams, Vertriebskanäle und Datenarchitekturen zusammenzuführen. Verzögerungen können geplantes Cross-Selling und internationale Expansion bremsen, während Kaufpreisallokation, Finanzierung und parallele Transformationsprogramme Managementkapazität binden.

Probleme der Branche und Lösungen

  • Zu wenig Bau-Fachkräfte: Planer, Ingenieure und Bauunternehmen müssen steigende Projektkomplexität mit knappen Fachkräften bewältigen. Manuelle Prüfungen, Dateneingaben und Abstimmungen binden qualifiziertes Personal und erhöhen bei Zeitdruck das Fehler- und Nacharbeitsrisiko. Bluebeam Max, Solibri, Allplan und weitere KI-Funktionen automatisieren Prüfungen, Dokumentanalyse, Visualisierung und Routinen. Dadurch sollen Fachkräfte mehr Zeit für Entscheidungen und hochwertige Planung erhalten, statt repetitive Prozessschritte manuell abzuarbeiten.
  • Getrennte Daten und Tools: Bauprojekte verteilen Informationen über viele Fachdisziplinen, Dateiformate und Softwareprodukte. Medienbrüche und inkompatible Daten erschweren Zusammenarbeit zwischen Planung, Ausführung und Betrieb und erhöhen das Risiko veralteter oder widersprüchlicher Projektstände. Nemetschek setzt auf OPEN BIM, offene Schnittstellen und vernetzte Workflows zwischen Marken. Graphisoft, Allplan, Solibri, Bluebeam, dRofus und dTwin sollen Daten durchgängiger nutzbar machen, ohne Kunden an ein geschlossenes Dateiformat zu binden.
  • Fehler und Nacharbeit: Planungsfehler, Kollisionen und unvollständige Unterlagen werden in komplexen Bauprojekten oft erst spät entdeckt. Das verursacht Nacharbeit, Verzögerungen und Mehrkosten, besonders wenn mehrere Gewerke und Dokumentversionen gleichzeitig koordiniert werden. Solibri prüft BIM-Modelle regelbasiert, Bluebeam unterstützt Planprüfung und Markups, Firmus AI analysiert Zeichnungen geometrisch auf Risiken. Neue KI-Funktionen sollen Inkonsistenzen früher erkennen und Qualitätskontrollen stärker automatisieren.
  • Kosten und Termine: Bauunternehmen müssen Angebote, Kosten, Termine und Baustellendaten unter hoher Unsicherheit steuern. Manuelle Datenerfassung und getrennte Systeme erschweren aktuelle Prognosen und können Entscheidungen verzögern, bevor Kosten- oder Terminabweichungen sichtbar werden. Nevaris verbindet Kalkulation, ERP und 5D-BIM, GoCanvas digitalisiert mobile Datenerfassung und HCSS erweitert das Portfolio für Infrastruktur und Tiefbau. Zusammen sollen Büro und Baustelle mit aktuelleren Daten und Workflows arbeiten.
  • Gebäude effizient betreiben: Gebäudebetreiber stehen unter Druck, Energieverbrauch, Flächennutzung und CO2-Emissionen zu senken. Ohne aktuelle Betriebs-, Sensor- und Nutzungsdaten bleiben Einsparpotenziale verborgen und Nachhaltigkeitsziele lassen sich schwerer systematisch steuern. Spacewell kombiniert IWMS, Sensorik, Workplace- und KI-basiertes Energiemanagement. Die Plattform soll Belegung und Verbrauch sichtbar machen, Betriebsentscheidungen datenbasiert unterstützen und Energieeinsatz sowie Emissionen in bestehenden Gebäuden reduzieren.
  • Mehr Cloud, mehr Angriffsfläche: Mit SaaS, Cloud-Kollaboration und vernetzten Gebäudedaten wächst die Angriffsfläche für Softwareanbieter und Kunden. Sicherheitslücken können Betriebsunterbrechungen, Datenverlust, Vertrauensschäden und regulatorische Folgen in geschäftskritischen Bau- und Immobilienprozessen auslösen. Nemetschek betreibt gruppenweites Informationssicherheitsmanagement, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen sowie regelmäßige Trainings. Die Gruppe ist seit 2024 ISO 27001 zertifiziert und passt Kontrollen an neue Bedrohungen und EU-Sicherheitsregeln an.
  • Schwache Content-Budgets: Film-, TV- und Streamingkunden hielten 2025 insbesondere in den USA Content-Budgets zurück; zugleich konsolidiert sich die Kundenseite. Das verlängert Investitionsentscheidungen und belastet kurzfristig Nachfrage nach professionellen 3D- und Rendering-Werkzeugen. Maxon fokussiert hochwertige professionelle Workflows und erweitert Anwendungen außerhalb klassischer Medien, etwa Architekturvisualisierung. KI-gestützte Funktionen und integrierte 3D-Tools sollen Produktivität erhöhen und zusätzliche Anwendungsfälle für bestehende Kreativkunden erschließen.

Nemetschek: Burggraben

Solider, aber fragmentierter Software-Moat: hohe Wechselkosten und wiederkehrende Erlöse, jedoch begrenzte Netzwerkeffekte und starke Konkurrenz durch Autodesk und Bentley.

Beständigkeit: Mittel bis lang

Risiko: Nicht abgesicherte Marktbereiche bleiben durch offene Standards, aggressive Cloud-Anbieter, KI-Automatisierung, Bauzyklen und Kundenkonzentration bei Großprojekten angreifbar.

Quellen des Burggrabens

  • Wechselkosten: BIM-Dateien, Schulungen, Projektstandards und kollaborative Workflows verteuern Umstiege; sieben Millionen Nutzer und offene Standards begrenzen jedoch proprietäre Verriegelung.
  • Preissetzung: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen wiederkehrende Umsätze um 15,1%, ARR um 15,9%; EBITDA-Marge erreichte 30,7% trotz SaaS-Umstellung.
  • Skalenvorteile: Vier Segmente, über 4.000 Experten und 2026 HCSS-Integration verbreitern Vertrieb, Produktentwicklung und Kundenbasis; Autodesk bleibt jedoch deutlich größer.
  • Markenplattform: Archicad, Allplan, Bluebeam und Vectorworks besitzen etablierte Fachanwender-Marken; fehlende konzernweite Plattformintegration schwächt Netzwerkeffekte und Cross-Selling.

Nemetschek: Finanzen

Jahreszahlen der letzten Geschäftsjahre
GeschäftsjahrUmsatzOperatives ErgebnisNettogewinnOperativer CashflowFreier Cashflow
GJ 2025 (bis 31.12.2025)1,2 Mrd. €315,8 Mio. €217,2 Mio. €402,9 Mio. €389,2 Mio. €
GJ 2024 (bis 31.12.2024)995,6 Mio. €240,3 Mio. €175,4 Mio. €306,8 Mio. €293,1 Mio. €
GJ 2023 (bis 31.12.2023)851,6 Mio. €203,1 Mio. €161,3 Mio. €252,9 Mio. €240,2 Mio. €
GJ 2022 (bis 31.12.2022)801,8 Mio. €196,3 Mio. €161,9 Mio. €213,8 Mio. €194,8 Mio. €
GJ 2021 (bis 31.12.2021)681,5 Mio. €172,0 Mio. €134,6 Mio. €214,4 Mio. €204,4 Mio. €

Analyse

Eine strukturierte Analyse in 10 Schritten – vom Geschäftsmodell bis zur Bewertung.

KI-generiert

1. Geschäftsmodell

Nemetscheks Geschäftsmodell ist attraktiv, weil spezialisierte Software tief in Planungs-, Bau-, Betriebs- und Medienabläufen steckt und zunehmend über wiederkehrende Verträge monetarisiert wird. 2025 stieg der Anteil wiederkehrender Erlöse auf 92,2 Prozent nach 86,5 Prozent, während Subscription und SaaS bereits 72,1 Prozent des Umsatzes ausmachten. Design mit Graphisoft und Allplan liefert die Planungsbasis, Build mit Bluebeam und GoCanvas wächst näher an der Baustelle, und HCSS erweitert seit Juli 2026 den Infrastrukturanteil. Gegenüber Autodesk ist Nemetschek kleiner, aber stärker vertikal fokussiert; gegenüber Procore deckt es deutlich mehr vom gesamten Baulebenszyklus ab. Die Markenbreite ist zugleich eine Integrationsaufgabe, weil Daten, Vertrieb und KI über viele Produkte verbunden werden müssen. Entscheidend ist deshalb, ob Multi-Brand-Verkäufe und der AI Assistant die Nutzung je Kunde erhöhen. Sichtbar wäre das an weiter wachsendem ARR, stabilen Verlängerungen und weniger Margendruck aus der Subscription-Migration.

2. Markt & Wettbewerb

Nemetschek besitzt starke Nischenpositionen, aber keinen Markt ohne ernsthaften Wettbewerbsdruck. Im BIM-Design stehen Graphisoft, Allplan und Vectorworks gegen Autodesk, Bentley Systems und Trimble, während Bluebeam in Baukollaboration direkt mit Autodesk Construction Cloud, Procore und Oracle Aconex konkurriert. Im Gebäudebetrieb trifft Spacewell auf Planon, IBM und Eptura; Maxon wiederum konkurriert mit Autodesk Maya, Adobe und SideFX. Der Vorteil liegt in OPEN BIM, spezialisierter Domänenlogik und einem Portfolio über Planung, Bau und Betrieb statt in maximaler Plattformbreite. Gegenüber 2024 wurde die Stellung im Build-Bereich durch GoCanvas und 2026 zusätzlich durch HCSS deutlich verbreitert. Autodesk bleibt jedoch in absoluter Größe, Produktbreite und Forschungsbudget überlegen. Nemetschek muss deshalb Cross-Selling und internationale Skalierung beweisen, ohne die Spezialisierung seiner Marken zu verwässern. Fortschritt wäre an Multi-Brand-Verträgen, Marktanteilsgewinnen außerhalb Europas und stärkerem organischem Build-Wachstum erkennbar.

3. Burggraben

Solider, aber fragmentierter Software-Moat: hohe Wechselkosten und wiederkehrende Erlöse, jedoch begrenzte Netzwerkeffekte und starke Konkurrenz durch Autodesk und Bentley. Dauerhaftigkeit: Mittel bis lang. [Ungeprüfte Finanzangabe] BIM-Dateien, Schulungen, Projektstandards und kollaborative Workflows verteuern Umstiege; sieben Millionen Nutzer und offene Standards begrenzen jedoch proprietäre Verriegelung..

4. Wachstum

Die Wachstumsthese bleibt intakt, wird aber nach dem außergewöhnlich starken Jahr 2025 anspruchsvoller. Der Konzernumsatz wuchs 2025 berichtet um 19,7 Prozent, während Subscription und SaaS um 51,2 Prozent zulegten und damit die Qualität des Wachstums verbesserten. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz berichtet um 13,0 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt um 14,5 Prozent; Build legte dabei besonders stark zu. HCSS erweitert seit Juli 2026 das Infrastrukturgeschäft und eröffnet Cross-Selling mit Bluebeam und GoCanvas, während KI-Produkte wie Bluebeam Max zusätzliche Monetarisierung ermöglichen sollen. Autodesk wuchs im Geschäftsjahr 2026 ebenfalls stark, besitzt aber ein breiteres, weniger vertikal konzentriertes Portfolio. Die Schwachpunkte bleiben Media, Währungseffekte und nachlassende Übergangseffekte aus GoCanvas. Entscheidend ist, ob organisches Wachstum nach der HCSS-Konsolidierung zweistellig bleibt. Das wäre an ARR, Subscription-Wachstum und stabiler Build-Dynamik sichtbar.

5. Profitabilität

Nemetscheks Profitabilität verbessert sich trotz laufender Transformation, ist aber zwischen den Segmenten deutlich unterschiedlich. 2025 stieg die EBITDA-Marge auf 31,2 Prozent nach 30,2 Prozent, während die EBIT-Marge von 23,5 auf 25,0 Prozent zulegte und der operative Cashflow kräftig wuchs. Im ersten Quartal 2026 erreichte die EBITDA-Marge 31,4 Prozent; im zweiten Quartal lag sie berichtet bei 30,1 Prozent und bereinigt um akquisitionsbedingte Einmalkosten bei 31,0 Prozent. Build erzielte im zweiten Quartal 40,1 Prozent EBITDA-Marge, während Design durch einen außergewöhnlichen Währungseffekt deutlich schwächer ausfiel. Autodesk kam im Geschäftsjahr 2026 auf rund 21,9 Prozent GAAP-Operativmarge, wobei die Rechnungslegung nicht direkt vergleichbar ist. HCSS dürfte kurzfristig Integrations- und Kaufpreisallokationseffekte bringen. Entscheidend ist, ob Design nach der Subscription-Migration wieder aufholt und die Konzernmarge trotz HCSS steigt. Dafür müssen Skaleneffekte schneller wachsen als Integrations-, Cloud- und KI-Kosten.

6. Bilanz & Finanzqualität

Die Bilanz war Ende 2025 solide und hatte sich nach der GoCanvas-Finanzierung klar erholt, doch HCSS erhöht die Verschuldung wieder spürbar. Die Nettoverschuldung sank 2025 auf 107,5 Millionen EUR nach 294,6 Millionen EUR, während die Eigenkapitalquote von 44,2 auf 45,6 Prozent stieg. Gleichzeitig lagen liquide Mittel bei 252,0 Millionen EUR und der operative Cashflow bei 402,9 Millionen EUR. Damit konnte Nemetschek Schulden abbauen, Dividenden zahlen und kleinere Zukäufe finanzieren. Mit dem Abschluss von HCSS im Juli 2026 wurden jedoch rund 450 Millionen EUR bestehende HCSS-Finanzschulden und Verpflichtungen refinanziert, wodurch sich die Nettoschuldenposition wieder erhöht. Im Gegensatz zu Autodesk steht damit weniger ein aggressives Rückkaufprogramm als die Finanzierung strategischer Akquisitionen im Vordergrund. Die Bilanz bleibt tragfähig, solange Cashflow und wiederkehrende Erlöse stabil bleiben. Kritisch würde es, wenn große weitere Übernahmen vor einem sichtbaren Schuldenabbau folgen.

7. Management & Kapitalallokation

Nemetschek allokiert Kapital primär in Produktentwicklung und gezielte Übernahmen, während die Dividende ergänzend wächst. 2025 investierte der Konzern 230,8 Millionen EUR in Forschung und Entwicklung, rund 19 Prozent des Umsatzes, und übernahm Firmus AI; zuvor hatte GoCanvas 2024 den Build-Bereich verbreitert. Im Juli 2026 folgte mit HCSS eine deutlich größere Transaktion, die Infrastruktursoftware und proprietäre Baudaten in Build integriert. Parallel wurde die Dividende für 2025 auf 0,68 EUR je Aktie erhöht, die dreizehnte Anhebung in Folge. Autodesk setzt im Vergleich stärker auf großvolumige Aktienrückkäufe, während Nemetschek mehr Kapital für vertikale M&A und Produktinvestitionen reserviert. Diese Strategie ist sinnvoll, solange erworbene Produkte organisch wachsen und Cross-Selling entsteht. Entscheidend sind deshalb HCSS-Integration, Schuldenabbau und steigender Cashflow nach Akquisitionen. Ein schwächerer Integrationsbeitrag würde die Kapitalrendite schnell verschlechtern.

8. Chancen

Nemetscheks wichtigste Chancen liegen nicht in einem einzelnen Produkt, sondern in der Verbindung aus Subscription, KI, Akquisitionen und internationaler Expansion. Die wiederkehrende Umsatzbasis gibt finanziellen Spielraum, während Bluebeam, HCSS und die Design-Marken große bestehende Kundenbasen für zusätzliche Produkte öffnen. Entscheidend ist, ob diese Initiativen organisches Wachstum verlängern, statt nur akquisitionsbedingt Größe hinzuzufügen.

9. Risiken

Die größten Risiken entstehen aus der Kombination von Transformation und steigender organisatorischer Komplexität. Nemetschek muss HCSS integrieren, Design weiter auf Subscription umstellen und gleichzeitig KI-, Cloud- und Sicherheitsinvestitionen erhöhen. Die hohe wiederkehrende Umsatzbasis dämpft kurzfristige Schwankungen, schützt aber nicht vor Integrationsfehlern, schwacher Neukundennachfrage oder strukturellem Druck in einzelnen wichtigen Segmenten.

10. Bewertung & Fazit

Die Bewertungsthese bei Nemetschek hängt stärker an Qualität und Dauer des Wachstums als an kurzfristigen Quartalsschwankungen. Wiederkehrende Erlöse von 92,2 Prozent des Umsatzes im Jahr 2025, hohe Softwaremargen und ein zweistellig wachsender ARR stützen grundsätzlich einen Qualitätsaufschlag gegenüber zyklischeren Bau-IT-Anbietern. Gleichzeitig ist Nemetschek deutlich kleiner als Autodesk und stärker vom AEC/O-Markt abhängig, wodurch ein hoher Bewertungsaufschlag nur bei nachhaltigen Marktanteilsgewinnen gerechtfertigt wäre. Procore wächst ebenfalls im Bau-Softwaremarkt, arbeitet aber mit einem anderen Profitabilitätsprofil, während Autodesk größere Plattformbreite und Skalenvorteile besitzt. HCSS erhöht den adressierbaren Markt, bringt aber zusätzliche Verschuldung und Integrationsrisiko. Die entscheidende Frage ist daher nicht ein einzelnes Bewertungsmultiple, sondern ob organisches Wachstum und Margen nach der Übernahme stabil bleiben. Sinkendes ARR-Wachstum bei gleichzeitig höherer Verschuldung würde die These schwächen. Umgekehrt würden erfolgreiche Subscription-Migration, HCSS-Cross-Selling und stabile Margen den Qualitätsaufschlag besser absichern.